Zahlen und Fakten – Zahlungstrends in der Schweiz

Laut dem Swiss Payment Monitor (SPM) dominiert bei Zahlungen in der Schweiz «die Macht der Gewohnheit. Die meisten Schweizer zahlen so, wie sie es schon immer getan haben …» Gleichwohl zeichnet sich den Autoren zufolge «am Markt ein gewisser Wandel» ab, wonach sich Schweizer Konsumenten mehr und mehr von traditionellen Zahlungsmethoden abwenden und sich auf neue Technologien einstellen.

In diesem Artikel werden die gängigsten Zahlungsverfahren in der Schweiz erörtert. Dabei werden zunächst unverwüstliche «Zahlungsklassiker» wie Bargeld und Debitkarten behandelt, während im Anschluss neue Technologien wie mobile Bezahllösungen im Mittelpunkt stehen. Die Frage lautet nun, ob sich die Schweizer ähnlich wie die Niederländer in Richtung einer bargeldlosen Gesellschaft entwickeln oder – so wie die Deutschen – nicht von ihren Banknoten lassen können.

Dauerbrenner Bargeld

Bargeld ist und bleibt das meistgenutzte Bezahlverfahren der Schweiz. Dem Swiss Payment Monitor zufolge kommt es bei 49 Prozent aller Transaktionen zum Einsatz. Besonders beliebt ist es bei Kleinbeträgen von bis zu 20 Franken, wie etwa beim Restaurantbesuch oder Brötchenkauf. Durchschnittlich haben die Schweizer 65 Franken im Portemonnaie und liegen damit nur leicht unter dem Durchschnitt des Euroraums von 65 Euro. Nur 2 Prozent aller Schweizer führen überhaupt kein Bargeld mit sich.

Obwohl fast die Hälfte (44 Prozent) aller Schweizer Konsumenten je nach Anlass verschiedene Bezahlverfahren nutzen, gilt Bargeld in der Schweiz nach wie vor als das klassische Zahlungsmittel. Während andere Länder Banknoten mit hohem Nennwert ausmustern, hat die Schweiz im März 2019 ein neues Design für ihre 1000-Franken-Note vorgestellt. Allem Anschein nach wird Bargeld, das stark mit Idealen wie Privatsphäre und Freiheit assoziiert wird, in der Schweiz erhalten bleiben.

Debit- oder Kreditkarte?

Obwohl die Schweizer Bargeld sehr schätzen, sind sie elektronischen Zahlungsmitteln gegenüber keineswegs abgeneigt. Eine besonders weitverbreitete Zahlungsmethode stellen Debitkarten dar. 94 Prozent der Befragten der SPM-Umfrage erklärten, eine Debitkarte zu besitzen. Traditionelle (nicht kontaktlose) Debitkarten verbuchen einen Anteil von 22,7 Prozent am Umsatz in der Schweiz.

Über eine Kreditkarte verfügen dagegen weniger Schweizer, namentlich 90 Prozent. Gemessen am Umsatz von Debitkarten machen Kreditkartenzahlungen etwa die Hälfte aus (11,6 Prozent). Wer eine Kreditkarte besitzt, nutzt diese in der Regel für längerfristige Anschaffungen und Zahlungen auf Reisen.

Kontaktloses und mobiles Bezahlen

Kontaktlose Debit- und Kreditkarten kommen in der Schweiz seltener zum Einsatz als ihre klassischen Gegenstücke. Auch wenn ein erheblicher Anteil der Befragten laut SPM-Bericht bereits kontaktlos mit einer Karte bezahlt hat (Anteil von Debit- und Kreditkarte 34 bzw. 51 Prozent), bleiben solche Transaktionen zumeist die Ausnahme. Der geringe Anteil spiegelt sich auch in den Journaldaten der Studie wider, denen zufolge kontaktlose Kartenzahlungen lediglich 7 Prozent des Umsatzes darstellen.

Obwohl 20 Prozent der befragten Schweizer Konsumenten erklärten, bereits eine mobile Point-of-Sale-Zahlung (POS) genutzt zu haben, beträgt auch deren Anteil am Umsatz nur 2 Prozent. Ausserdem zeigte sich, dass Zahlungen mit NFC-fähigen Wearables bei alltäglichen Zahlungsvorgängen praktisch keine Rolle spielen.

Eine Umfrage von Deloitte hat einen ähnlichen Anteil mobiler POS-Zahlungen in der Schweizer Bevölkerung (durchschnittlich 17 Prozent) errechnet. Allerdings ist dies stark von der Altersgruppe der Konsumenten abhängig: So nutzen 25 Prozent der 16-29-Jährigen mobile Bezahllösungen, jedoch nur 11 Prozent der 50-69-Jährigen. Demnach sieht es so aus, als ob mobiles Bezahlen in der Schweiz künftig von der jüngeren Generation bestimmt wird.

E-Commerce in der Schweiz

Die Schweizer sind im Internet unterwegs. So erklärten 91 Prozent aller Haushalte, einen Internet-Zugang zu besitzen. Mit einem Gesamtvolumen von 10.1 Milliarden Euro (1,9 Prozent des europäischen Gesamtmarkts) mutet der E-Commerce-Markt im Business-to-Consumer-Segment (B2C) zwar bescheiden an, birgt aber enormes Potenzial. Angesichts weitverbreiteter Englischkenntnisse und einer Offenheit für grenzüberschreitende Einkäufe ist die Schweiz für internationale Online-Händler attraktiv.

Beim Kauf im Internet bezahlen Schweizer Konsumenten zumeist per Banküberweisung (Anteil am Umsatz: 53 Prozent). Mit 24 Prozent rangieren Bankkarten an zweiter Stelle, gefolgt von Digital Wallets mit 20 Prozent. Prognosen zufolge soll der Anteil von Digital Wallets bis 2021 bei 24 Prozent liegen. Bis dahin dürfte der mobile Handel in der Schweiz eine jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 15 Prozent verbucht haben – doppelt so viel wie die Prognose für den B2C-Markt als Ganzes.

Zusammenfassung: Zahlungen in der Schweiz

Wie in vielen anderen europäischen Ländern ist auch die Schweizer Zahlungslandschaft fragmentiert. Bargeld wird nach wie vor umfassend genutzt. Denn die Schweizer schätzen Banknoten aufgrund ihrer Vorteile mit Blick auf Privatsphäre und Unabhängigkeit. Unter den elektronischen Zahlungsmitteln sind nicht kontaktlose Bankkarten ein beliebtes Zahlungsmittel, wobei Debitkarten häufiger genutzt werden als Kreditkarten.

Kontaktlose Kartenzahlungen und mobile POS-Zahlungen haben sich im Zahlungsalltag in weiten Teilen der Schweiz allerdings noch nicht richtig durchgesetzt. Auch wenn bereits zahlreiche Konsumenten auf sie setzen, bleiben sie häufig eine Ausnahmeerscheinung. Dagegen beginnt im Online-Handel allmählich der Siegeszug der Smartphones, die inzwischen fester Bestandteil des Shopping-Erlebnisses sind.

Schweizer Händler oder Webshop-Betreiber sind gut beraten, unterschiedliche Zahlungsmethoden wie Bargeld, Karte oder kontaktlose Lösungen zu akzeptieren und sich auf einen Wandel der Kundenpräferenzen einzustellen.