Zwischen Woodstock und Burning Man – zu Besuch am Paléo Festival in Nyon

Was hat das Paleo Festival am schönen Genfersee mit Woodstock von 1969 oder dem Burning Man in der Wüste von Nevada zu tun? Seit bald 45 Jahren zieht das Paleo Musikfans in ihren Bann und auf das Festivalgelände. Dany Hassenstein, der sich darum kümmert, dass die grossen Gigs den Weg nach Nyon finden, stand uns für ein paar Minuten Red und Antwort.

Schön, dass du für uns Zeit gefunden hast. Was verbindet dich mit der Geschichte des Paléo Festivals?

Das erste Mal arbeitete ich 2001 für das Festival. Seit 2009 bin ich fix mit dabei und sorge mich um das musikalische Programm und die internationalen Acts. Tatsächlich geht die Geschichte zurück bis in die 70er-Jahre. Die Gründer lancierten damals mit dem Spirit von Woodstock das erste Rock- bzw. Folkfestival hier direkt am Genfersee. Für ein reines Rockfestival war die Schweiz damals noch nicht bereit.

Die Festivallandschaft in der Schweiz ist vielfältig, was macht das Paléo besonders?

Natürlich kommen die Leute wegen der Musik, aber nicht nur, denn wir sind mehr als eine Konzertreihe unter freiem Himmel. Es dauert ganze sechs Tage, nächstes Jahr sogar sieben. Das Festivalgelände richten wir entsprechend ein.

Es gibt Pavillons, imposante Bauten und künstlerische Installationen. Es erinnert ein wenig an das Burning Man Festival mit umherstreifenden Gauklertruppen. Aber auch das kulinarische Angebot ist uns wichtig.

All das wäre nicht möglich ohne die Unterstützung von rund 5‘000 Helfern. Die Organisation pflegt einen sehr respektvollen und beinahe familiären Umgang mit den Menschen und Besuchern. All das zusammen schafft eine einzigartige Atmosphäre.

Beeindruckend. Die Statistik sagt, das Paléo sei in Bezug auf die Besucherzahl das grösste Festival der Schweiz. Doch nur 2% kommen aus der Deutschschweiz. Warum?

Ja, der Anteil weither gereister Besucher ist nicht so gross. Das kommt daher, dass wir einerseits regional sehr stark verankert sind und andererseits die Nachfrage nach den Festivaltickets extrem gross ist. Diese sind meist innert weniger Stunden vergriffen. So kommt es, dass unsere Message nicht immer die ganze Schweiz erreicht, was natürlich sehr schade ist.

Alle drei bis vier Jahre feiern wir nicht nur auf dem Festivalgelände, sondern ziehen in die Stadt und spielen für und mit den Menschen von Nyon. Etwa im gleichen Rhythmus veranstalten wir auch ein Helferfest, wo wir alle Freiwilligen zusammentrommeln und uns für ihren Einsatz erkenntlich zeigen. Alleine da kommen ein paar Tausend zusammen.

Dieses Jahr hattet Ihr dafür Besuch aus Kanada?

Seit 20 Jahren haben wir jedes mal ein Land oder eine Region im „Village du Monde“ zu Gast. Dieses Jahr war es Quebec. In diesem Teil des Festivals finden die Besucher eine eigene Bühne sowie musikalische und kulinarische Leckerbissen aus der Ferne, die dank der gemeinsamen Sprache irgendwie auf einmal sehr nah scheint.

Nächstes Jahr wird es Zentralafrika sein und vielleicht entdecken ein paar neue Besucher das Festival für sich, vielleicht sogar aus der Deutschweiz! Das wär schön.

Eine letzte Frage noch: geht ihr auch in Sachen Zahlungslösungen mit der Zeit?

Das ist ein gutes Stichwort. Ja, wir bieten unseren Gästen überall Kartenzahlung an, aber wir sind nicht komplett „Cashless“ wie andere Festivals, die das schon probiert und zum Teil durchgesetzt haben. Wir ermöglichen unseren Besuchern überall auch Barzahlung. Es ist zwar ein logistischer Mehraufwand, aber wir haben den Anspruch, dass es für jeden so einfach wie möglich sein soll.

Vielen Dank Dany Hassenstein für das spannende Gespräch.