Biometrik: Das Zahlungsmittel der Zukunft

Als Amazon sein Konzept Amazon Go vorstellte, war die Ironie kaum übersehbar. Der E-Commerce-Gigant, der von manchen als Totengräber vieler traditionsreicher Einzelhändler gesehen wird, will jetzt wieder auf Dach und Mauerwerk setzen?

 

Die Idee hinter Amazon Go war alles andere als traditionell. Ein Laden komplett ohne Kassen? Einfach gehen, ohne zu zahlen? Klingt eher wie Wunschdenken.

 

Für Amazon ist es eine weitere, einzigartige Erfolgsgeschichte. Seit dem Start im Januar 2018 wurden 15 weitere Geschäfte eröffnet, fünf weitere sind US-weit in Planung.

 

Das Beispiel Amazon zeigt, wie Biometrik eine reibungslose Zahlungserfahrung unterstützen kann. Und auch wenn die Technologie noch nicht im Mainstream angekommen ist, sollten Unternehmen diesen Trend 2020 gut im Auge behalten.

 

Die Magie hinter Amazon Go

 

Zunächst müssen die Kunden in der Amazon-Go-App per QR-Code bestätigen, dass sie die Amazon-Go-Filiale betreten haben. Ab diesem Zeitpunkt läuft alles vollautomatisch.

 

Ein Kamerasystem überwacht die Kunden, während sie sich durch den Laden bewegen, Produkte zusammensuchen und manche wieder ins Regal zurückstellen, bevor sie eine endgültige Kaufentscheidung treffen. Nachdem sie das Geschäft verlassen haben, erhalten Sie per E-Mail eine detaillierte Quittung und ihre Einkäufe werden abgerechnet.

 

Diese Quittungen sind sogar so exakt, dass manch einer sich fragt, welche Informationen diese Kameras aufzeichnen. Während Amazon seinen Zaubertrick bisher noch geheim hält, spielt Biometrik – Gesichtserkennung, Grösse, Gewicht und andere Aspekte – vermutlich eine Rolle.

 

Die Frage ist: Kann Biometrik den Faktor Identität im Einkaufserlebnis ersetzen? Kann man, anstatt eine Bezahlkarte oder Bargeld hervorzukramen, einfach „mit dem Gesicht“ bezahlen?

 

Trotz des Erfolgs von Amazon Go muss die Antwort auf diese Frage erst noch gefunden werden – die Technologie ist noch nicht sehr weit verbreitet. Dennoch gilt Biometrik zweifellos als tragfähiges Element der Zahlungstechnologie.

 

Die Zukunft und darüber hinaus

 

Der Einsatz von Biometrik bei Zahlungen ist durchaus eine Debatte wert. Unstrittig ist in jedem Fall, dass sie unsere Zahlungsgewohnheiten radikal verändern könnte.

 

In Europa wird Biometrik bereits in Smartphones eingesetzt, die zum Bezahlen per mobiler Wallet einen Fingerabdruck erfordern. Banken in Grossbritannien testen bereits Debitkarten mit einem eingebauten Fingerabdruckscanner als Ersatz für Chip und PIN. Beide Strategien sollen die Zahlungssicherheit verbessern.

 

Stimm- und Gesichtserkennung – wie sie bereits bei Amazon Go zum Einsatz kommen – sind Technologien mit Zukunftspotenzial, solange Unternehmen einen Weg finden, die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einzuhalten. Wenn ja, könnte traditionelles Einkaufen nahezu komplett aus der Kundenerfahrung verschwinden, während unsichtbare Zahlungen zur Norm werden.

 

Wie dem auch sei, rechnen Sie damit, dass das Thema Sicherheit bei den Zahlungsdienstleistern an Bedeutung zunimmt, da sie mithilfe von Biometrik nun deutlich sicherere Zahlungsmethode anbieten können.