Kontaktloses Bezahlen mit Karte – für eine “zweite Welle” gerüstet?

Die Corona-Pandemie schien zu Sommerbeginn fast bezwungen. Geschäfte öffneten wieder für ihre Kunden. Fluggessellschaften hiessen die ersten Passagiere zurück an Bord willkommen. Profifussballspiele fanden europaweit wieder statt, obgleich ohne Fans.

Doch die jüngsten News rund um COVID-19 stimmen nachdenklich. Ab dem 15. August müssen in Flugzeugen ab der Schweiz und in die Schweiz Masken getragen werden, kündigte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga vor Kurzem an. Zudem dürfen ab dem 1. Oktober Grossveranstaltungen über 1,000 Personen unter strengen Auflagen wieder stattfinden.

In Deutschland werden die bevorstehenden Bundesligapartien im Herbst (vorerst) weiterhin als Geisterspiele ausgetragen, entschied der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Anfang August. Und im Zentrum von Paris gilt seit dem 10. August wieder Maskenpflicht. Deutschland und Frankreich sind Tophandelspartner der Schweiz, und auch beim Personen- und Grenzverkehr (Tourismus, Grenzgänger) wichtige “Source Markets”.

Der Grund für diese zum Teil überraschenden Massnahmen: die Angst vor einer zweiten COVID-Welle. Tatsächlich sind in Westeuropa und in Grossbritannien die Zahl der Ansteckungen wieder leicht angestiegen. Vorsicht ist deshalb angebracht, Nachlässigkeit bleibt riskant.

Umso wichtiger sind Kontaktbeschränkungen in der Öffentlichkeit und das Vermeiden von Berührungen von Knöpfen, Tasten und Apparaturen jeder Art, um das Ansteckungsrisiko zu mindern. Ein Impfstoff ist zwar in der Testphase (wie in Russland), das definitive Gegenmittel lässt jedoch noch auf sich warten.

Kontaktlose Bezahlsysteme für Debitkarten und Kreditkarten tragen dazu bei, die besagten physischen Kontakte beim Einkaufen gleichermassen für Kunden und Anbieter zu unterbinden. Aktuelle Trends bestätigen die Bereitschaft, von traditionellen Bezahlformen Abschied zu nehmen, wenn Kunden zur Kasse gebeten werden.

“Die Schweiz lernt, ohne Bargeld zu leben”, titelte etwa das Schweizer Newsportal Swissinfo.ch vor Kurzem. Gemäss dem Artikel sollen vom 16. März bis 14. April 2020 Bargeldabhebungen an Bancomaten um satte 48,8 Prozent gefallen sein. Ebenso ist ein Sinneswandel beim Bezahlen in Deutschland und in Frankreich zu beobachten. Ausserdem: laut Moneyland.ch bezahlen bereits 51 Prozent der Bevölkerung mit Kreditkarte kontaktlos.

Kontaktloses Bezahlen ist unter jungen Menschen salonfähig geworden und hat durch die COVID-Pandemie einen Schub erhalten. Gemäss einer aktuellen Studie der Unternehmensberater von Deloitte “bezahlen die unter 30-Jährigen vermehrt mit kontaktloser Debitkarte (38%), Debitkarte (33%), Kreditkarte (31%) oder kontaktlos per Smartphone (27%)“.

Potenzial hat es in der Silver Economy. Deloitte: „Die über 50-Jährigen zahlen am seltensten kontaktlos mit dem Smartphone (z.B. Twint, Apple Pay, Samsung Pay, PayPal App) oder gehen an die Self-Checkout-Kasse im Supermarkt: 56 bzw. 44 Prozent nutzen diese Möglichkeit nie.“