Bezahllösungen an Stromtankstellen – Revolution an der Ladesäule?

In ihren Anfängen war E-Mobilität exklusiv – E-Autos rar und sehr teuer. Im Vergleich zu konventionellen Verbrennern, genossen sie lange Zeit wenig Popularität – zu groß schienen die Nachteile. So fehlte eine einheitliche Ladeinfrastruktur und die Möglichkeit, getankten Strom einfach und spontan zu bezahlen. Der Durchbruch zum Zukunftskonzept für Jedermann war damit nicht möglich. Dank neuer Bezahllösungen, wie girocard kontaktlos oder Mobile Payment, ändert sich das. Haben neue Bezahltechnologien das Potenzial, den Markt zu revolutionieren?

Hemmnis Ladesäuleninfrastruktur

Das Henne-Ei-Problem betrifft auch die E-Mobilität: Der Anteil von E-Fahrzeugen auf den deutschen Straßen bleibt hinter den Erwartungen – Ladesäulen scheinen damit oft ein wenig attraktives Geschäftsmodell, allein die Anschaffungskosten einer Säule können mehrere zehntausend Euro betragen. Damit die Fahrzeuge als alltagstauglich gesehen werden, fehlt es aber an einer flächendeckenden, einheitlichen Ladeinfrastruktur.

Und an den schon vorhandenen Säulen herrscht Chaos: Mal erfolgt eine Anmeldung per App, mal braucht man eine RFID-Karte, z. B. eines Stromanbieters. „Die ersten Ladesäulengenerationen hatten keine direkte Schnittstelle für ein Bezahlterminal, schon verwendete RFID-Karten dienten nur zur Entriegelung der Schutzklappe oder Identifikation des Kunden. Abgerechnet wurde oft mit einer Pauschale, z. B. über eine erhöhte Parkgebühr“, sagt Andreas Löw, Leiter Marketing & Corporate Communication von Feig Electronic.

Frischer Wind dank verbesserter Rahmenbedingungen

Dank der Ladesäulenverordnung kommt Bewegung in den Markt: Alle Säulen, die nach dem 14. Dezember 2017 errichtet werden, müssen punktuelles Laden gegen Zahlung mittels Bargeldes, eines gängigen karten- oder webbasierten Zahlungssystems ermöglichen. Silvana Jahn, International Key Account Manager bei Ingenico, ist sicher, dass der Markt jetzt auf offene Bezahlsysteme umsteigt: „Geschlossene Systeme wurden akzeptiert, weil es keine Alternativen gab. Durch die Kommerzialisierung des Ladens rücken offene Bezahlsysteme in den Fokus der Hersteller und werden in Zukunft für den Erfolg am Markt entscheidend sein.“ John Kolthof, Managing Director von CCV Easy teilt diese Einschätzung: „Da Verbraucher die Möglichkeit haben sollten, ihre bevorzugte Zahlungsmethode frei zu wählen, ist es wichtig, auch offene Bezahllösungen anzubieten.“

Auch das Mess- und Eichrecht schafft einheitliche Rahmenbedingungen. Alle neuen E-Ladesäulen, die nach Kilowattstunden oder Nutzungszeit abrechnen, müssen ein geeichtes Messgerät haben. Peter Ehrl, Vorstandsmitglied der Initiative und selbst E-Autofahrer, ist überzeugt: „Ist das Angebot erst geschaffen, läuft es stetig besser. Man stelle sich vor, an jeder Tankstelle für Verbrenner mit einer anderen Währung bezahlen zu müssen und mit Euro nur dann bezahlen zu können, wenn auch noch Roaming-Gebühren anfallen. Stromtanken muss so eingängig sein, wie Benzintanken!“

Treiber Kartenzahlung

Im Vergleich zu geschlossenen Systemen birgt der Einsatz der girocard Potenziale: Sie ist weit verbreitet, hierzulande gibt es sie über 100 Millionen Mal, rund 55 Millionen sind bereits kontaktlosfähig. Bis Ende 2019 werden es rund 80 Millionen sein. Der Bezahlvorgang erfordert keine vorherige Authentifizierung und ist denkbar einfach – nur die eigene Bankkarte an das Terminal halten, Strom tanken, wegfahren. Da der Zahlbetrag meist unter 25 Euro liegt, ist auch der Einsatz der günstigeren Terminals ohne PIN-Pad an den Säulen sinnvoll. Mit dem Start von Mobile Payment der Deutschen Kreditwirtschaft Mitte 2018 sind außerdem die Voraussetzungen geschaffen, an Säulen mit der Option von kontaktlosen Kartenzahlungen auch mit dem Smartphone zu bezahlen. Die Technologie ist dieselbe. Nur der Formfaktor ist ein anderer. Und die Nachfrage nach kartenbasierten Bezahlsystemen von girocard und den internationalen Kartensystemen an der Stromtankstelle wächst, berichten alle Branchenexperten. Die Revolution an der E-Ladesäule hat gerade erst begonnen.