Unerwartete Auswirkungen von COVID-19 auf Unternehmen und Bezahlmethoden

Der Ausbruch von COVID-19 hat zu einer enormen Veränderung des Verbraucherverhaltens geführt: 60 % der Verbraucher weltweit sollen ihre Einkaufsgewohnheiten während der Pandemie geändert haben.

Untersuchungen der Unternehmensberatung McKinsey machen deutlich, dass die größten Veränderungen für die Verbraucher durch nationale Lockdowns ausgelöst wurden. Während in China und den USA 75 % der Verbraucher berichteten, in der Pandemie-Zeit eine neue Einkaufsmethode ausprobiert zu haben, waren es in Japan, wo es keine Lockdowns gab, nur 33 %. Dies zeigt, dass sich die Verbrauchergewohnheiten weltweit eher durch Notwendigkeit als durch eine aktive Entscheidung geändert haben.

Die Pandemie kann jedoch zu dauerhaften Verhaltensänderungen führen. Mit der Lockdown-Einschränkung werden die Verbraucher aufgrund von Hygienebedenken beim traditionellen Einkaufen in den Geschäften immer vorsichtiger, was bedeutet, dass die während der Pandemie entwickelten neuen Einkaufsgewohnheiten vorerst beibehalten werden.

In diesem Artikel untersuchen wir einige der bemerkenswertesten Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Unternehmen – und wie sich KMUs anpassen, um unter diesen neuen Bedingungen zu überleben und zu wachsen.

Ein Schub für den eCommerce

Als sich das Corona-Virus ausbreitete, verhängten viele Länder Lockdowns. Diese hielten die Menschen in ihren Häusern und Wohnungen und alle Geschäfte mussten schließen, die nicht „systemrelevant“ waren. Als das Einkaufen in stationären Geschäften immer schwieriger wurde und die Besorgnis der Verbraucher über die Ansteckungsgefahr zunahm, schnellten die Verkäufe im elektronischen Handel in die Höhe.

Die Online-Verkäufe wuchsen in einem Zeitraum von zwei Wochen bis März 2020 um 25 %. Um dies richtig einzuordnen: In den letzten vier Jahren sind die Online-Verkäufe kontinuierlich mit einer Rate von 14 % Compound Annual Growth Rate (CAGR) gestiegen.

Obwohl sich die Verbraucher während der Pandemie auf den Kauf von lebensnotwendigen Gütern wie Lebensmittel, Medikamente und Reinigungsprodukte konzentriert haben, haben die eCommerce-Verkäufe von Bekleidung und Schönheitsprodukten ebenfalls ein Wachstum von mehr als 10 % in ihrem Online-Konsumentenstamm verzeichnet.

Eine Umfrage unter US-Verbrauchern hat einige der Hauptgründe für dieses Wachstum des eCommerce aufgezeigt. Die Studie ergab, dass 80 % der Verbraucher aufgrund des Virus derzeit mit geringerer Wahrscheinlichkeit in stationären Geschäften einkaufen. Ebenso gaben 76 % der Menschen an, dass sie lieber online einkaufen, um das Risiko einer Infektion in Geschäften zu vermeiden.

Um sich an diese neuen Einkaufsgewohnheiten anzupassen, haben sich immer mehr KMU für einen Omnichannel-Ansatz im Geschäftsleben entschieden. Laut einer Umfrage gibt ein Fünftel der Kleinstunternehmen an, dass sie während der Sperrzeit zum ersten Mal online verkauft haben. Andere Unternehmen haben ihren bestehenden Online-Shop gestärkt, indem sie ihr Angebot an verfügbaren Produkten erweitert oder neue Lieferoptionen angeboten haben.

Bargeld im Rückgang

Die Pandemie hat auch auf die Bezahlmethode Auswirkungen. Die Verwendung von Bargeld ist erheblich zurückgegangen: Fast die Hälfte der befragten Verbraucher im asiatisch-pazifischen Raum gab an, Bargeld seltener zu verwenden. Zwei Drittel der Verbraucher in Lateinamerika gaben an, Bargeld seltener oder gar nicht zu verwenden. Auch in Deutschland ist eine Veränderung wahrzunehmen.

Dieser Rückgang des Bargelds ist nicht nur auf den Aufstieg des elektronischen Handels zurückzuführen, sondern auch auf die zunehmende Beliebtheit elektronischer Zahlungsmethoden in den Geschäften.

Wenn Verbraucher in der heutigen Zeit im stationären Handel einkaufen gehen, möchten sie, dass ihr Besuch so schnell und hygienisch wie möglich erfolgt. Hier kommen kontaktlose Zahlungen ins Spiel. Die Bezahlung über eine kontaktlose Karte oder ein mobiles Gerät reduziert den Kontakt mit Oberflächen und ermöglicht es dem Kunden, schneller zu bezahlen und das Geschäft zu verlassen.

Da 64 % der Verbraucher in Europa jetzt sagen, dass sie kontaktlose Zahlungen im Geschäft bevorzugen, ist es wichtig, dass KMUs eine Möglichkeit erhalten, diese Zahlungen zu akzeptieren. Dies zeigt nicht nur die Sorge um die Bequemlichkeit der Kunden, sondern auch um ihre Sicherheit und die Sicherheit ihrer Mitarbeiter.

„Click & Collect“- Ansatz wird immer beliebter

Eine weitere Veränderung während der Pandemie war die zunehmende Beliebtheit von Abholdiensten für Waren – sei es, um den Andrang in den Geschäften zu verringern, oder für Restaurants, die Möglichkeit zum Mitnehmen der Speisen anzubieten.

Vor allem das „BOPIS-Modell“ (buy online pick up in-store) hat laut McKinsey in den sechs Wochen der Pandemie ein Wachstum von 34 % erfahren. Mit diesem System vermeiden Verbraucher lange Warteschlangen und den (längeren) Kontakt mit anderen Käufern im Geschäft vor Ort.

Interessanterweise beabsichtigen 59 % der Verbraucher, die BOPIS-Dienste langfristig weiter zu nutzen, selbst wenn das Risiko des Virus reduziert ist.

„Abholung frei Bordsteinkante“ oder BOPIS können nützliche Optionen sein, die KMU in Betracht ziehen sollten. Denn diese Optionen ermutigen Kunden dazu, weiterhin bei ihnen einzukaufen, auch wenn sie das Geschäft selbst nicht betreten wollen. Es kann auch eine kostengünstige Lösung im Vergleich zur Lieferung sein, insbesondere wenn das Unternehmen über einen starken lokalen Kundenstamm verfügt, der gerne kommt und abholt.

Unterstützung lokaler Unternehmen

Der Ausbruch von COVID-19 hat mehr Verbraucher dazu veranlasst, vor Ort einzukaufen. Reisebeschränkungen während der Sperrzeiten machten dies zu einer Frage der Praktikabilität, aber es scheint, dass die Verbraucher verständlicherweise auch daran interessiert sind, lokale Unternehmen zu unterstützen, wenn sie von der Pandemie hart getroffen wurden.

In den USA gaben 62 % der befragten Verbraucher an, dass der Ausbruch sie stärker auf lokale oder unabhängige Marken aufmerksam gemacht hat, während 69 % sagten, dass sie dadurch eher lokale oder unabhängige Einzelhändler unterstützen. Im Vereinigten Königreich hatten kleine unabhängige Geschäfte in den drei Monaten vor dem 20. Juni 69 % mehr Verkäufe zu verzeichnen.

Globale Untersuchungen von Accenture ergaben, dass die Verbraucher nach der Pandemie nicht nur lokal einkaufen, sondern auch regionale Produkte kaufen wollen. Das kann bedeuten, dass sie z.B. Lebensmittel in einem nahen gelegenen Hofladen kaufen oder Bier von einer lokalen Brauerei holen.

Obwohl die Pandemie vielen kleinen Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat, könnten sie nach überstandenem Sturm langfristig von dieser Verlagerung hin zu lokalen Käufen profitieren. Und wir haben gesehen, dass eine „gemeinsam stärker“ Mentalität in dieser Hinsicht hilft, als wir mit ARCAD sprachen – einer Gemeinde in einem Schweizer Alpendorf, die sich zusammengeschlossen hat, um die kommerzielle Aktivität anzukurbeln und lokale Händler zu unterstützen.

Zusammenfassung: Die Auswirkungen von COVID-19 auf Handel und Zahlungen von KMU

COVID-19 hat Verbraucher auf der ganzen Welt dazu veranlasst, neue Einkaufsgewohnheiten anzunehmen, sei es wegen der praktischen Anwendbarkeit während des Lockdowns oder wegen zusätzlicher Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Virus.

Der elektronische Handel hat zugenommen, da die Verbraucher nach neuen Wegen suchten, um wichtige Waren zu kaufen, während kontaktlose Zahlungen als sicherere Alternative zu Bargeld an Popularität gewonnen haben.

Diese Entwicklung hin zum Online-Shopping und zu elektronischen Zahlungen hat die Verbraucher jedoch nicht davon abgehalten, lokale, unabhängige, kleine Unternehmen zu unterstützen. Obwohl sie in der Lage sind, Waren von überall auf der Welt zu bestellen, entscheiden sich die Verbraucher immer noch dafür, vor Ort einzukaufen.

KMU, die einen flexiblen Omnichannel-Ansatz mit einer Kombination aus einem Online-Shop und einer starken lokalen Präsenz verfolgen, haben das Potenzial, auch im Jahr 2020 zu wachsen.